Vaterschaft und Schwangerschaft. Das feministische Gesellschaftsbild der Antje Schrupp

Ich hatte erst den Gedanken, „Familienbild“ statt „Gesellschaftsbild“ in den Titel zu schreiben. Aber wie wir gleich sehen werden, trifft es das Wort nicht mehr, denn so etwas wie eine Familie scheint es im Weltbild der bekennenden Feministin Antje Schrupp nicht mehr zu geben.

“Ich brauche Feminismus, weil ich nicht mit Männern gleichgestellt werden, sondern eine freie Frau sein will.”

Dieses Zitat von ihr bringt auf einen Satz, was sie im Interview mit Spiegel-Online auseinanderlegt. In ihrer Welt stehen sich nicht Gleichwertige gegenüber, handeln aus, kooperieren und wachsen aneinander, sondern hier gibt es nur sie allein, die Frau, mit dem Ziel vollkommener Unabhängigkeit, als negativer Freiheit.

Hier geht es zum Interview.

Wie Spiegel-Autorin Heike Kleen schreibt, geht es Schrupp darum, „neue Diskussionen“ um das Kinderkriegen, neue Beziehungsentwürfe und Vaterschaft auszulösen. Zu diesen neuen Diskussionen möchte ich hier meinen Beitrag leisten.

SPIEGEL ONLINE: Oder auch darin [Kontext: die angebliche „politische Höherstellung der Menschen ohne Uterus“], dass Frauen bis heute nicht allein über ihren Körper bestimmen dürfen? Ein Schwangerschaftsabbruch ist – mit Ausnahmeregelungen – in Deutschland gemäß §218 des Strafgesetzbuches noch immer strafbar.

Schrupp: In unserer Kultur verlieren Menschen, die schwanger sind, das Recht auf körperliche Selbstbestimmung. Die Gesellschaft hat Anspruch auf einen Teil dieses Körpers, den Embryo. Das wurzelt noch immer in der alten aristotelischen Beschreibung des Vorgangs, laut der die Schwangere und der Uterus lediglich als Gefäß angesehen werden für den männlichen Samen. Bis heute sagt man ja etwa: Sie hat einen Braten im Ofen. Die Frau erbringt eine Dienstleistung für andere. Der Embryo gilt als ein von ihr getrenntes, eigenständiges Wesen, das eigentlich anderen gehört.

Ich sehe einmal von der Tendenziösität der Interviewerin ab. In diesem Zitat findet sich meiner Ansicht nach in Quintessenz konzentriert, wessen Geistes Kind Frau Schrupp ist, in welchen Bahnen sich ihr Denken bewegt. Und dabei ist es nicht einmal das, was sie sagt, sondern vor allem das, was sie nicht sagt, was so bezeichnend ist. In keinem Wort erwägt sie den Gedanken, dass das ungeborene Wesen selbst einen Anspruch haben könne, nein, der fremde Anspruch wird bei der Gesellschaft gesucht oder vielmehr auf diese projiziert. Was könne sonst das Recht auf „körperliche Selbstbestimmung“ überschreiben, wenn nicht die unterdrückende Gesellschaft, der böse patriarchale Aristoteles oder sonst wer, der die Frau zwingt eine Dienstleistung mit ihrem Körper zu erbringen?! Und ich ging immer davon aus, eine Frau werde in fast allen Fällen freiwillig oder fahrlässig schwanger, in voller Verantwortung bezüglich ihrer körperlichen Selbstbestimmung, mit allen Folgen. Keine Ahnung hatte ich, dass Frauen mittlerweile zur Dienstleistung gedrängt werden, schwanger zu werden…

Auch kann das ungeborene Wesen – obwohl doch eigenständig – in Schrupps Gedankenwelt nicht sich selbst (bzw. niemandem) gehören, sondern muss anderen gehören, wenn nicht der Schwangeren. Aber Schrupp will ja sowieso behaupten, das Ungeborene sei ein Teil des weiblichen Körpers. Wie passen dazu aber folgende Aussagen:

SPIEGEL ONLINE: Sie schreiben, Sie hätten immer damit gehadert, eine Gebärmutter zu haben und lieber den männlichen Part beim Kinderkriegen übernommen – warum?

Schrupp: Ich fand die Vorstellung, dass da irgendwas im Bauch wächst, das ich auch noch gebären muss, immer beängstigend. Ich hätte mir gut vorstellen können, gemeinsam mit einer Frau das von ihr geborene Kind aufzuziehen. Aber das war leider als kulturelle Option noch nicht verfügbar, als ich jünger war.

Dieses „irgendwas“ im Bauch, das da wächst, ist laut ihrer Aussage doch bloß Teil des Körpers. Trotzdem bekennt sie in ihren eigenen furchtvollen Gefühlen die Fremdheit, d.i. die Eigenständigkeit des neuen Wesens, die spätestens bei eigenem, unabhängigen Herzschlag und Gehirnströmen nicht mehr zu leugnen ist. Sachlich-rechtlich will Schrupp das natürlich nicht anerkennen, da es mit dem Narrativ zur „körperlichen Selbstbestimmung“ in Konflikt gerät, was der Agenda der ersehnten vollkommenen individuellen Freiheit (die nicht bei der Freiheit eines Anderen enden soll) im Wege steht.

SPIEGEL ONLINE: Warum müssen wir das Thema Schwangerschaft ausgerechnet jetzt neu diskutieren?

Schrupp: Weil die klassische Lösung für diese politische Herausforderung – die heterosexuelle monogame Ehe – heute nicht mehr funktioniert. Das Kinderkriegen war früher in den Familien privatisiert. Ein Modell, das zulasten der Frauen ging, die schlicht dadurch, dass sie schwanger werden konnten, ausgeschlossen wurden aus gesellschaftlichem Leben, Arbeit und Institutionen. Mit der Frauenbewegung wurde dieses Arrangement aufgekündigt, außerdem haben wir inzwischen die Ehe für alle, darum ist das Thema Fortpflanzung in den öffentlichen Raum gewandert.

Hier ist ein wichtiges Problem der Gesellschaft angesprochen. Aber man muss diese Sätze genau aufdröseln. 1) „Die heterosexuelle monogame Ehe funktioniert heute nicht mehr.“ Das scheint der Wahrheit zu entsprechen, zumindest funktioniert sie schlechter als einst, womit aber noch nicht gesagt ist, dass alternative Modelle derzeit besser funktionieren würden oder dass Kinderkriegen gar entprivatisiert werden müsse. 2) „Mit der Frauenbewegung wurde dieses Arrangement aufgekündigt.“ Auch das scheint zu stimmen, die Frauenbewegung ist mitverantwortlich für den Verfall von Ehe und Familie – auch wegen der z.T. durch diese Bewegung hervorgebrachte Entwicklung, dass Männer heutzutage bei Ehe und Familie rechtlich benachteiligt sind, weswegen diese gerade für Männer kaum mehr attraktive Optionen sind. Über den Grund für genannte Aufkündigung spricht Schrupp zwar im Präteritum (worin dessen Legitimität auch diskutabel ist), aber darüber hinaus wäre die Behauptung, dass ein zeitweise arbeitsteiliges Eheleben mit Kinderaufzucht grundsätzlich zulasten der Frau gehen müsse, eine höchst dubiose und subjektive.

SPIEGEL ONLINE: Was müssen Politik und Gesellschaft für Menschen, die schwanger sind, tun?

Schrupp: Aktuell müssen wir vor allem überlegen, wie wir Sorgearbeit neu organisieren und wir können nicht erwarten, dass alle Menschen permanent auf dem freien Markt sind. Es ist normal, dass Menschen nicht arbeiten gehen können, weil sie schwanger sind oder weil sie sich um kleine Kinder kümmern. Und das muss nicht nur der Arbeitgeber auffangen. Wir müssen auch Vaterschaft neu diskutieren.

Wenn Schwangerschaft und Kinderaufzucht also natürlicherweise die Aussetzung der Erwerbstätigkeit zur Folge haben, was wäre da eine bessere Lösung als eine Arbeitsteilung innerhalb einer gebundenen, vertrauensvollen zwischenmenschlichen Beziehung, auch Ehe genannt?

SPIEGEL ONLINE: Was meinen Sie genau damit?

Schrupp: Es kann nicht sein, dass eine schwangere Frau sich entscheiden muss, ein Kind entweder abzutreiben oder mit dem Samengeber, der ja vielleicht nur eine kurzfristige Bekanntschaft ist, das Leben lang verbunden zu sein. Ich bin dagegen, dass reines Samengeben bereits Vaterschaftsrechte konstituiert – weil das auch gegen den Willen der Schwangeren gehen kann.

Warum hier von einem „Samengeber“ die Rede ist, bleibt schleierhaft. Es scheint wohl nicht die klassische Samenspende im Sinne der künstlichen Befruchtung gemeint zu sein, sondern bloß so ein Ausdruck gewählt, um den Erzeuger des Kindes zu marginalisieren. Aber wir sind hier bei der Crux des Problems angelangt. Eine Frau muss sich im Normalfall nicht entscheiden, ob sie mit einem Samengeber, der eine kurzfristige Bekanntschaft ist, aufs Leben verbunden bleibt oder abtreibt, denn an dieser Stelle ist es schon viel zu spät. Eine Frau steht in der Verantwortung (ich weiß, dies ist für Feministen ein unliebsamer Ausdruck, wenn er auf sie bezogen wird), nur von einem solchen Mann schwanger zu werden, mit dem sie sich vorstellen kann (bzw. es wollen würde) mindestens so lange zusammen zu bleiben, bis die Aufzucht des Kindes vollzogen ist, bis dieses selbstständig sein Leben bestreiten kann. Mit einer bloß kurzfristigen Bekanntschaft ist dagegen genaustens auf sichere Verhütung zu achten oder – um ganz sicherzugehen – gar nicht erst Geschlechtsverkehr zu haben.

Angesichts Schrupps sexistischer Forderung, dass sog. „reines Samengeben“, d.h. auf natürlichem Wege ein eigenes Kind zu zeugen, das die eigene DNA hat, im Normalfall keine Vaterschaftsrechte konstituieren sollten, bloß weil das gegen den Willen der Mutter sein könnte, kann man nur staunend den Kopf schütteln.

Während Schrupp den Vätern also das grundsätzliche Mitspracherecht entziehen will, d.i. die oben angesprochene Benachteiligung bis ins letzte Extrem zu treiben, ist sie immerhin so gnädig, diese dann auch der finanziellen Verpflichtungen zu entbinden:

Schrupp: Ja, das ist natürlich die Kehrseite. Die reine Samenspende darf keine finanziellen Verpflichtungen beinhalten. Die materielle Versorgung von Schwangeren und Kindern muss dann anders gewährleistet werden.

Und was meint diese andere Gewährleistung? Lasst mich raten: Der Staat soll dann die Väter auch in dieser Hinsicht überflüssig machen. Nicht einmal mehr um die Ressourcensicherung soll sich Frau mehr scheren müssen.

Schrupp: […] ich finde es richtig, dass Vaterschaft freiwillig sein muss, weil die erzwungene Vaterschaft viele negative Folgen für die betroffenen Mütter hat: Vaterschaft ist ein soziales Verhältnis. Sie tritt nur ein, wenn beide darin einwilligen.

Falsch! Sie tritt dann ein, wenn er einwilligt, es sei denn man will das Verhältnis von Männern zu ihren eigenen Kindern grundsätzlich einseitig unter die völlige Autorität und Willkür der Frauen stellen. Etwas mehr gesellschaftschädigendes und Männer- bzw. Väterverachtendes ist schwer vorstellbar. Sicher kann es negative Folgen für eine Mutter haben, wenn sie ein schlechtes Verhältnis zum Vater ihrer Kinder hat, aber das ist wohl eine Folge von schlechter Selektion. Wo bleibt die Verantwortung?

SPIEGEL ONLINE: Würde das für die Schwangeren nicht bedeuten, erst recht mit der Belastung alleingelassen zu werden?

Schrupp: Das ist ein Problem, aber das lösen wir nicht, indem wir eine Vaterschaft erzwingen. Stattdessen müssen wir sagen: Du kannst abtreiben, das ist nicht sozial stigmatisiert. Du kannst auch das Kind bekommen und allein oder mit anderen Leuten großziehen. Es gibt dafür gesellschaftliche Unterstützung, du stürzt dadurch nicht in Armut. Oder du kannst das Kind zur Adoption freigeben, und auch dann erfolgt keine Stigmatisierung. Eine Frau soll keinen Mann brauchen müssen, um ein Kind zu gebären.

Dass Adoption in schwierigen Fällen ein sinnvoller Ausweg sein kann, der nicht stigmatisiert sein sollte, da gebe ich Schrupp ausnahmsweise recht. Die oben angesprochenen alternativen Modelle sollen dann wohl in der Alleinerziehung oder der Aufzucht mit irgendwelchen „anderen Leuten“ bestehen – die dann frei ins Leben des Kindes kommen und gehen. Aber nun lasst mich euch ein Geheimnis verraten:

Kinder brauchen ihre Väter!

Es ist durch viele Studien erwiesen, was es für fatale Folgen für ein Kind hat, vaterlos aufzuwachsen: Menschen aus vaterlosen Haushalten bilden 63% aller Selbstmorde im Jugendalter, 90% aller obdachlosen und ausgerissenen Jugendlichen, 85% aller verhaltensauffälligen Kinder, 71% aller Schulabbrecher, 70% aller Insassen in Jugendgefängnissen, 75% aller Erwachsenen in Drogen-Entzugskliniken und 75% aller Vergewaltiger, die durch übertragene Wut motiviert sind (Quelle; ausführlicher als Video).

Das sind die harten Fakten zur dummdreisten Forderung „Eine Frau soll keinen Mann brauchen müssen, um ein Kind zu gebären.“ Aber Schrupp denkt natürlich nicht an die Kinder, weder an die im Mutterleib noch an die Aufwachsenden. Genausowenig wie sie an die Männer denkt. Einzig die Frau, dieses schützenswerte, über alles erhabene Wesen, soll seine Interessen schrankenlos gegen alles verwirklichen können. Nur bedenkt Schrupp nicht, dass dieser auf ihr Geschlecht ausgeweitete Egoismus in seiner Nachteiligkeit für Kinder, für Männer und für die Gesellschaft als ganzer, durch deren Niedergang irgendwann sogar den Frauen selbst auf die Füße fallen wird, da sie Teil dieser Gesellschaft sind und mit Männern im Kontakt stehen – trotz aller Bemühungen Letztere für sich überflüssig zu machen.

Schrupp: […] Es ist aber nicht sinnvoll, eine Co-Elternschaft auch dann zu erzwingen, wenn man schon vor der Geburt des Kindes nicht miteinander klarkommt. Es stimmt: Menschen, die nicht selbst schwanger werden können – und das können ja auch Frauen sein – können nur Eltern werden, wenn jemand ihnen Kinder anvertraut oder sie zu einer Co-Elternschaft einlädt.

Eine geschickte Methode, die Frauen aus der Verantwortung zu ziehen und ihnen alle Macht über die Verhältnisse zuzusprechen, nicht wahr? Gott sei dank stimmt es keineswegs, dass die Elternschaft des Mannes durch Anvertrauen oder Einladen einer Frau konstituiert werde. Das Heranziehen des Biologischen bei der Frau zur Begründung der Legitimität der Mutterschaft (natürlich nur der Möglichkeit nach, nie gegen den Willen der Frau), bei gleichzeitiger Reduktion der Vaterschaft auf etwas Soziales unter Vernachlässigung des Biologischen, ist reine Willkür und missachtet unterdessen biologisch-psychologisch fundierte Bedürfnisse des Menschen (des Kindes, des Vaters). Und wenn es bloß um die Vermeidung einer leidvollen Co-Elternschaft ginge, warum wird nicht erwägt, dass der Vater die alleinige Elternschaft übernehmen könne, etwa wenn er aus sozialen Gründen besser dafür geeignet wäre? Wegen der Kosten an Ressourcen der Mutter qua Schwangerschaft? An eine solche einfache ökonomische Rechnung für allgemeine Ansprüche scheint Schrupp zu denken (wohlwollend interpretiert, es kann auch die unbegründete Agenda sein, Frauen zu bevorteilen), was bei solchen komplexen biologisch-sozialen Zusammenhängen, die eines der Kernelemente des Daseins des Menschen betreffen, nur einen haarsträubenden Reduktionismus darstellen kann.

Von den Folgen der Umsetzung solcher Ideen ganz zu schweigen. Warum sollte noch irgendein Mann Vater sein wollen, wenn diese Rolle gesellschaftlich so weit entwertet werden würde und er immer in der Gnade der Mutter stünde? Welch toxische Folgen hätte ein solches Machtgefälle für die Beziehung der Eltern?

Dabei liegen die Ursachen der oben vorgeschobenen Probleme erzwungener Vaterschaft oder leidvoller Co-Elternschaft ganz woanders: im verantwortungslosen Verhalten vieler Frauen. Da gilt es anzusetzen und eine klare Geschichte der Verhältnisse beizubringen: Nämlich dass es die Aufgabe einer jeden Frau ist, die sich Kinder wünscht, einen geeigneten Vater zu selektieren. Und das schließt auch ihre Verantwortung für das Gedeihen der Partnerschaft mit ein. Der Vater trägt an Letzterer genauso Verantwortung und sicherlich auch dafür, sich am Ende nicht doch um die Kindesaufzucht und Versorgung zu drücken. Aber letztendlich hat die Frau das letzte Wort in der körperlichen Selbstbestimmung zur Schwangerschaft (oder die Schuld der Fahrlässigkeit bei unintendierter). Die Vaterlosigkeit der Kinder wird daher in der Mehrheit der Fälle ihr Hauptverschulden sein, wegen unklugen Lebensentscheidungen oder einem unklugen Lebensstil. Die Konsequenzen müssen getragen werden und selbst wenn sich eine Frau noch in solche Gedankenkonstrukte wie die hier kritisierten zu flüchten versucht, werden es am Ende doch die eigenen Kinder sein, welche die Mutter ob der erfahrenen Nachteile oder des Leides im Leben wegen der Vaterlosigkeit zur Rechenschaft ziehen werden und auch rechtmäßig sollten.

Frauen und Männer sind nicht dazu bestimmt, voneinander unabhängig und frei zu sein, sondern sie sind aufeinander verwiesen. Eine gesamtgesellschaftliche Bewegung dagegen ist eine Gewalt gegen die menschliche Natur und erzeugt nur mehr Leid als das, wovon man sich frei zu machen glaubte. Als Individuum für sich zu entscheiden, kinderlos und allein zu bleiben, bleibt einem hingegen unbenommen. Ein paar weise Worte von Jordan Peterson zur Partnerschaft bzw. Ehe sollen den Abschluss hier machen: „Verheiratet zu sein für 40 Jahre, das ist nicht ein Triumph des Glücklichseins, es ist ein Triumph des Charakters, es ist ein Triumph von Verhandlung, es ist ein Triumph des Willens, das zu tun und das sollte gefeiert werden. […] Ich denke, es ist der richtige Weg eine Partnerschaft zu konzeptionalisieren als Kampf, es ist ein Kampf auf ein gutes Ziel hin, es ist ein Kampf auf die Transformation von beiden hin zu mehr als man sonst hätte sein können.“ (Eigene Übersetzung, Videoquelle). Wenn die Menschen das wieder lernen, kann die monogame Ehe vielleicht auch wieder funktionieren.

Obwohl ich immer versuche, meine Abhandlungen sachlich zu halten, muss ich doch eingestehen, einiges an Ekel beim Lesen der Aussagen Schrupps empfunden zu haben. Die geistige Brandstiftung, die sie betreibt, wird das, was an gesunden gesellschaftlichen und familiären Beziehungen noch vorhanden ist, niederbrennen, sollte sie die gesellschaftliche Mitte erobern. Wenn Schrupp als Feministin gelten kann, wird es auch Zeit, eindringlich zu sagen, dass das unerträgliche Gezeter, Gejammer und Geheuchel, das proklamiert, dass es dem Feminismus doch nur um Fairness, nur um die Bekämpfung von Benachteiligung usw. ginge, seinen Zenit mittlerweile überschritten hat. Solcherlei ist Bauernfängerei für eine der gefährlichsten Ideologien des 21. Jahrhunderts.

Abtreibung. Pro-Choice und Pro-Life – eine falsche Dichotomie.

Dies ist zur Abwechslung keine Kritik oder Reaktion auf ein fremdes Elaborat, sondern ein konstruktiver Beitrag zu einer Debatte.

„Alles am Weibe ist ein Rätsel, und alles am Weibe hat eine Lösung: sie heißt Schwangerschaft.“ – Also sprach Zarathustra

So lässt es Nietzsche seinen Zarathustra sagen (Abschnitt „Von alten und jungen Weiblein“).

Mit dem sogenannten „biologischen Imperativ“ bezeichnet die Evolutionsbiologie die Ausrichtung der Lebewesen, das Überleben der eigenen Gene zu sichern und diese möglichst weit zu verbreiten. Wir wissen, dass es dieser Imperativ beim Menschen nur bedingt auf die bewusste Ebene schaffft, d.h. wo es um Lebensentscheidungen von Individuuen geht, gibt es keine allgemeine Notwendigkeit, genanntes Ziel in den eigenen Willen aufzunehmen. Nur so können sich Individuen bewusst dagegen entscheiden, ihre Gene zu reproduzieren.

Der biologische Imperativ manifestiert sich weniger als direkter Wille oder als Entscheidung, sich zu reproduzieren, sondern in unhintergehbaren Trieben, wo ein Individuum keine Möglichkeit hat, sich zu entscheiden, diese Triebe zu haben oder nicht zu haben. Der Trieb von dem ich spreche, ist das Verlangen nach Sexualität und gestaltet sich bestimmter in dem, was genau wir dabei als attraktiv wahrnehmen. Etwas als attraktiv oder unattraktiv wahrzunehmen ist unserer Entscheidung entzogen und wird neben unserer Kultur zum größten Teil von unserer Biologie bestimmt. Die Biologie realisiert auf diese Weise den biologischen Imperativ.

Dabei ist also der größte Unterschied zwischen Mann und Frau zu betrachten: was die Verbreitung und Sicherung der Gene für die Ressourcen des Lebewesens bedeuten. Die Aufzucht, d.h. das Sichern des Überlebens von Kindern ist beim Menschen relativ ressourcenlastig, da Kinder unserer Spezies viel Zeit und Mittel benötigen, bis sie selbstständig überlebensfähig sind.

Der Akt der Zeugung ist für den Mann jedoch sehr ressourcenarm, weswegen sich für ihn die Möglichkeit zweier Strategien bietet: a) Entweder sich auf die Befruchtung möglichst vieler Frauen zu konzentrieren, wobei sich mit der Quantität die Chance des Überlebens seiner Gene erhöht, oder b) sich auf die Aufzucht seiner Kinder mit einer oder weniger (genetisch hochwertiger) Frauen zu konzentrieren, um das Überleben seiner wenigen Genprodukte direkt zu sichern. Das „oder“ ist hier nicht vollends kontravalent, aber sicher kollidieren viele Umstände und Bedingungen von a) und b).

Für die Frau hingegen heißt jeder Akt der Zeugung Schwangerschaft. Das bedeutet für sie sehr hohe Ressourcenkosten, denn sie braucht 9 Monate, um ein einziges Kind auf den Weg zu bringen. Ihre Aufgabe zum Zweck des Überlebens ihrer Gene muss also in der klugen Selektion eines Mannes bestehen, der einerseits a) selbst hochwertige Gene hat, was zu überlebensfähigen Nachkommen führt, und andererseits b) Ressourcen und Willen zeigt, für die Aufzucht ihrer Kinder zu sorgen.

Dies sind die Grundlagen, mit denen wir arbeiten müssen, um die Ausgestaltung der biologischen Imperative bei Mann und Frau, d.h. auch was diese als sexuell attraktiv empfinden, zu verstehen.

Kultur und Biologie in Wechselwirkung

Nun ist die Wechselwirkung dieser biologischen Grundlagen mit Faktoren unserer modernen Kultur zu betrachten, nämlich mit der Erfindung von effizieten Kontrazeptiva (Verhütungsmitteln) und dem modernen Hedonismus.

Sex bereitet Lust und mit effizienten Verhütungsmitteln wurde die Möglichkeit geschaffen, diese Triebe von ihrer Rolle im biologischen Imperativ zu entkoppeln, um sie abseits der Verbreitung unserer Gene zu befriedigen und auszuleben. Mehr noch wurde die Konzentration auf die bloßen Triebe gelegt, indem sie mit dem Rückgang der Religiösität und Werten wie Familie, Liebe und Nachhaltigkeit noch weiter aus ihren vormaligen kulturellen Rahmenbedingungen entkoppelt wurden. Einer der größten Lebenswünsche des modernen hedonistischen Menschen ist es geworden, möglichst viel Lust zu generieren und die Triebe möglichst stark auszuleben. Sex ist ein Konsumgut und Völlerei die Devise.

Auch wenn Frauen wie dargelegt biologisch durchaus ein größeres Verlangen nach Bindungsbereitschaft eines Mannes haben als umgekehrt, ist das nur ein Faktor dessen, was Männer für sie attraktiv macht und gleicht den Wegfall des kulturellen Rahmes nicht aus, was wir an der Dominanz der Kurzlebigkeit in Form von serieller Monogamie und Promiskuität der modernen Gesellschaft sehen als integralen Bestandteil des Hedonismus.

Es kommt aber der Umstand hinzu, dass Verhütungsmittel nicht zu einhundert Prozent sicher sind. Hier ist die undichte Stelle in der Entkoppelung der Lust von ihrer Funktion der Genverbreitung und den damit einhergehenden Kosten an Ressourcen des Letzteren. Hier stellt sich die Frage der Verantwortung und Konsequenzen, die man trägt. Dies bewegt sich auf einer Skala von Gebundenheit der Sexualbeziehung und Sorgfältigkeit bei der Verhütung. Die Fahrlässigkeit der Entscheidung und die schwere an Konsequenzen ist am höchsten in einer ungebundenen Sexualbeziehung ohne Verhütung, da hier die größte Chance besteht, dass es zur Empfängnis kommt und das Kind nicht gewollt sein wird. Die Fahrlässigkeit und schwere der Konsequenzen ist dagegen am niedrigsten in einer gebundenen Sexualbeziehung (Ehe) mit sorgfältiger Verhütung, da hier die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis am niedrigsten und die Chance höher ist, dass das mögliche Kind doch akzeptiert werden wird. Was fällt auf?

Je besser sich die Lust direkt anzielen lässt und sich auch vom kulturellen Rahmen löst, desto schwerer sind die Konsequenzen. Auch die Sorgfalt der Verhütung verhält sich antiproportional zur Lust, da diese Mittel, während sie effizient, doch auch lästig sind und gerade das Kondom die sexuelle Lust mindert. Deswegen wird sich oft entschieden, nicht doppelt zu verhüten.

Die Befreiung all dieser Konsequenzen und Hindernisse ist natürlich mittlerweile offensichtlich. Was entkoppelt die Lust vollends von ihrer Rolle im biologischen Imperativ? Abtreibung bzw. das Recht auf freie Abtreibung.

Betrachtet man die biologischen Gegebenheiten in Wechselwirkung mit dem Hedonismus ist es logisch, dass gerade Frauen ein solches Recht fordern würden, denn: Für die Frau ist die Aufzucht des Kindes ohne Ressourcen und Hinwendung des Vater eine ökonomische und meist persönliche Katastrophe. Freigabe zur Adoption ist eine Möglichkeit, aber das setzt voraus, dass sich die Frau gegen ihre Muttergefühle wehren kann, die ihr ihr biologischer Imperativ mitbringt, wenn sie ihr Kind vollentwickelt vor ihren Augen hat und eine persönliche Relation unausweichlich wird; außerdem muss sie trotzdem die Ressourcenkosten der langen Schwangerschaft tragen. Zudem gefährdet Schwangerschaft und Mutterschaft die Rolle der Frau im modernen Hedonismus aufs Extremste. Hinsichtlich der männlichen biologischen Strategie b (siehe oben) wird betreffende Frau sehr viel unattraktiver, da die laufende Aufzucht fremder Kinder die Weitergabe der eigenen Gene des Mannes hindert und für ihn mehr Kosten an Ressourcen bedeutet.

Aus dieser Genese kann die Vehemenz der „Pro-Choice“ Bewegung in den USA verstanden werden. Schwangerschaft ist eine existentielle Bedrohung für die Frau im modernen Hedonismus.

Was fordern Frauen mit Parolen wie „my body, my choice“ also wirklich? Sie fordern von ihrer Verantwortung für ihre erste Wahl entbunden zu werden und in einer zweiten Wahl die Konsequenzen der ersten ungeschehen machen zu können. Warum die Risiken der ersten Wahl in Kauf genommen werden, wurde oben erläutert. Unter Ausschluss der Fälle nachgewiesener Vergewaltigung oder der Bedrohung des Lebens der Mutter durch die Schwangerschaft, muss sich der Ethiker also fragen, ob genannte Willkürfreiheit erstrebenswert ist und ob sie den Wert des ungeborenen Lebens – sofern man ihm einen solchen zuschreibt – trumpft. Ist es ein Wert und Ziel unserer Gesellschaft Frauen für die Verantwortung für eine geschehene Schwangerschaft zu entbinden?

Sofern man diese Frage mit Ja beantworten möchte, d.h. den Hedonismus wirklich zu Ende zu gehen und für seine Realisation einzutreten, sei noch gesagt, dass das Äquivalent zur Forderung von Frauen eines Rechtes auf Abtreibung die Freiheit der Männer von staatlichem Zwang zur Alimentierung der Kindesmutter wäre. So ließen sich alle Probleme beider Geschlechter in der Entkoppelung der Lust von ihrer biologischen und gesellschaftlichen Konsequenz beseitigen.

 

Nun noch ein paar Worte zum Gegenstück: „Pro-Life“. Man muss diese Richtung nicht unterschtützen, sofern man „Pro-Choice“ ablehnt. Die bedingungslose Anerkennung der Heiligkeit von jeglichem (menschlichen) Leben ist eine problematische These. Aber Frauenrechte sind in dem Fall meiner Ansicht nach eines der schlechtesten Argumente für Abtreibung. Die Debatte um Abtreibung sollte sich von dieser falschen Dichotomie entfernen und sich ganz um das eigentliche Subjekt der ethischen Frage – den ungeborenen Embryo oder Fötus drehen. Neben der wichtigen biomedizinischen Frage, wann Leidempfinden und Bewusstsein entstehen, wäre auch folgende eine sinnvolle Frage: Welche Umstände sind nötig um ein Leben lebenswert zu machen (Elternliebe, intakte Familie, finanzielle Sicherung, usw.?) und wäre es legitim den Eltern das Recht einzuräumen, das Leben und damit wahrscheinliches Leid durch Abtreibung zu verhindern, wenn diese Dinge nicht gegeben werden können? In diesem Fall würde keine Entscheidung gegen das ungeborene Leben zu Gunsten der Willkür dessen, der es fahrlässig zu verantworten hat, getroffen, sondern umwillen des ungeborenen Lebens, damit dieses nicht am Ende die Konsequenzen der Fahrlässigkeit eines anderen tragen muss.