(Anti)Demokratische Äußerungen eines Professors. Zur Desiderius-Erasmus-Stiftung.

Der Artikel, den wir uns heute zur Brust nehmen, trägt den Titel „Die geförderte Katastrophe“ und ist im „Spiegel“ aus der Feder von Meron Mendel entsprungen. Mendel ist Professor für „transnationale Soziale Arbeit“ an der Universität Frankfurt und Direktor der Bildungsstätte Anne Frank.

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Thematisch geht es darum, dass der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung mit dem 2. Einzug der AfD in den Bundestag nun, wie den anderen parteinahen Stiftungen auch, öffentliche Fördergelder zustehen. Mendel sieht darin den „Abbau demokratischer Strukturen“ oder – wie der Titel verlauten lässt – eine Katastrophe.

Zur Einleitung gibt Mendel eine Beschreibung eines Umstandes, die ich durchaus treffend finde:

„Mittlerweile ist es ein eingespieltes Muster: Experten warnen vor dem Katastrophenfall. Die Politik gibt sich alarmiert, hofft aber insgeheim, dass es so schlimm schon nicht kommen wird, und verharmlost die Bedrohung. Tritt der Katastrophenfall dann ein, reagieren die Behörden überrascht, zögerlich und unkoordiniert; immenser Schaden entsteht, vor allem durch Abwarten. Hinterher drücken die Verantwortlichen ihr tiefempfundenes Bedauern aus, versprechen, aus der Erfahrung zu lernen, und setzen Expertenräte ein – die dann, beim nächsten Mal, wiederum vergeblich warnen.“

Als Beispiele werden Sturmfluten, Pandemien und Afghanistan genannt. Man könnte noch Flüchtlingskrisen anfügen. Ich habe mir übrigens erlaubt, die von Mendel durchweg gebrauchte, von zwei Dritteln der deutschen Bevölkerung abgelehnte, ideologische Verunstaltung der Sprache mit Sternchen-Genderung in den Zitaten zu korrigieren.

Was den findigen Leser aufhorchen lässt, ist dann, dass Mendel so ganz beiläufig eine Wahrheitsbombe aus der Hosentasche fällt, indem er von „Schaltstellen der öffentlichen Willensbildung“ spricht. Das heißt, hier benennt er Instanzen zur Kontrolle des Souveräns im politischen System Demokratie: Gewerkschaften, Vereine und Stiftungen. Es bedürfte also schon einer sehr schlüssigen und stichhaltigen Rechtfertigung dafür, die Förderung mit Steuergeldern aller Bürger für einige parteinahe Stiftungen gutzuheißen, während man andere davon ausschließen will. Schließlich läuft die Demokratie damit Gefahr, zum sich selbst einseitig ausrichtenden und erhaltenden Zirkelschluss zu werden, wenn die Richtung der Willensbildung der Wähler durch den Willen der Gewählten bestimmt wird – und dafür qua Steuer unter anderem sogar noch das Geld derjenigen benutzt wird, die diesen Willen trotz aller Meinungsmache nicht ausbilden.

Ein Kunststück ist es allerdings, dass Mendel nach nur 6 Sätzen nach der ersten Erwähnung der Desiderius-Erausmus-Stiftung, über den Beruf auf angebliche Experten und das Narrativ von der Katastrophe, zum Urteil kommt:

„Ohne einen solchen gesellschaftlichen Katastrophenschutz setzen sie [die Politiker] die Fundamente unserer Demokratie und ja, auch Menschenleben aufs Spiel.“

Ja, richtig gelesen, wenn die Desiderius-Erasmus-Stiftung öffentlich gefördert werden würde, stünden laut Mendel Menschenleben auf dem Spiel – inwiefern will uns Mendel natürlich nicht sagen, schließlich ist das das gute alte „…unless you want people to die“-Totschlagargument. „Menschen werden sterben, wenn ihr meiner politischen Ansicht nicht zustimmt und Maßnahmen ergreift!“ Dabei geht es hauptsächlich um das Schockmoment und den Schuld-Hebel, um Leute aufzustacheln und auf eine detaillierte, nachvollziehbare Argumentation verzichten zu können.

Es folgt ein wenig unbelegte – ich weiß nicht, wie man das anders bezeichnen sollte – Hetze in Gestalt der Behauptungen, dass die AfD die „Gesellschaft auseinandertreibe“ und „menschenfeindliche“ Positionen vertrete und dass Erika Steinbach (die Vorsitzende der Stiftung) nichts zur Verhinderung von „Ideologien der Ungleichwertigkeit“ tue. Als Gegenbeispiel könnte man Steinbachs Einsatz für die Gleichwertigkeit ungeborenen Lebens anführen. Das wird von neulinker Seite dann gerne als „Antifeminismus“ geframet, aber wenn das so antifeministisch ist, möchte sich im Gegenzug der Feminismus vielleicht als Ideologie der Ungleichwertigkeit bekennen? Das ist natürlich alles bloß eine Frage der Perspektive und den eigenen ethisch-gesellschaftlichen Überzeugungen, während ohne inhaltliche Auseinandersetzung damit (wie ich es hier auf meinem Blog z.T. versuche) die ganzen aburteilenden Kampfbegriffe nur oberflächliches Geschacher bleiben. Aber schauen wir uns noch an, was Mendel gegen andere Akteure der Stiftung zu sagen hat.

Klaus Peter Krause wirft er „verschwörungsideologischen Überlegungen zu Corona“ und vor allem den Verweis auf die Warnung katholischer Bischöfe vor der Errichtung einer Weltherrschaft mit dem Instrument Corona vor. Unsäglicherweise fehlen die Verweise im Spiegel-Artikel, sodass dem Leser nicht die Möglichkeit gegeben wird, sich eine eigene Meinung über das sehr knapp und sehr negativ Dargestellte zu bilden. Es geht um diesen Blogbeitrag von Krause, in dem sich zunächst viel valide Kritik zu politischen Verfehlungen und Vorgängen findet, wie z.B. zur ungenierten Einschränkung von Grundrechten (was sich nebenbei bemerkt z.T. sogar als rechtswidrig herausstellte) und zu unterdrückerischer Behandlung von Corona-Maßnahmen-Demonstrationen. Nur manche Abschnitte des Blogbeitrags kann man überhaupt mit Verschwörungsideologien in Verbindung bringen und viele geben bloß Zitate oder Ansichten von anderen Leuten wieder. Der von Mendel angesprochene Verweis ist dieser. Ich habe mich mit der Thematik nicht ausreichend beschäftigt, um hier ein Urteil darüber fällen zu können. Ich möchte aber zu bedenken geben, dass man zumindest vorsichtig damit sein sollte, was man als „Verschwörungstheorie“ abtut, denn solche Bezeichnungen schaden tendenziell einem offenen demokratischen Diskurs und sind oftmals von der politischen Stimmung abhängig, wie das Beispiel der These zeigt, dass das Coronavirus womöglich einem Labor in Wuhan entstamme, was zunächst als Verschwörungstheorie galt und mittlerweile als reale Möglichkeit gilt.

Richtig saftig wird es aber bei Mendels Angriff gegen Sebastian Wippel. Wippel habe 2016 „für Empörung gesorgt“ (tolles Framing!), „als er Angela Merkels Politik in einer Rede im sächsischen Landtag für islamistische Terroranschläge im Land verantwortlich machte.“ Aber halt, hat der Autor nicht weiter oben selbst geschrieben:

„Erika Steinbach machte noch vor dem Mord an Walter Lübcke in den Sozialen Medien Stimmung gegen den Kasseler Regierungspräsidenten.“

Da haben wir schon einen besonders pikanten Fall vom Messen mit zweierlei Maß. Mendel bringt Steinbach mit dem Mord an Lübcke in Verbindung, will sie also als indirekt verantwortlich darstellen. Das soll dann aber keiner Empörung wert sein?

Derweil ist Angela Merkels Politik wirklich dafür verantwortlich, dass viele viele Menschen ohne Pass und gänzlich ungeprüft ins Land kommen konnten, von denen prozentual eine höhere Gefahr als von der deutschen Bevölkerung ausgeht und unter denen nachweislich islamistische Terroristen waren. Zuletzt bezeugte dies der Anschlag in Würzburg. Dort hatte im Juni 2021 ein somalischer „Flüchtling“, der 2015 ins Land kam, 3 Frauen getötet, 6 weitere Menschen schwer und eine Person leicht verletzt. Die Krönung dessen ist, dass betreffender Flüchtling schon vorher mehrfach negativ auffällig wurde, wonach anscheinend keine adäquaten Maßnahmen ergriffen wurden und ihm, trotz abgelehntem Asylantrag, subsidiärer Schutz gewährt wurde. Bei der Vernehmung gab der Täter zu Protokoll, dass er seinen „Dschihad verwirklicht habe“, d.i. ein klar islamistisches Motiv. Er soll laut Zeugen während der Tat auch „Allahu Akbar“ ausgerufen haben. Trotzdem ließ es sich die deutsche Medienlandschaft nicht nehmen, wochenlang über das Motiv zu rätseln, es als unklar hinzustellen und möglichst in Richtung psychopathologischer Faktoren zu deuten.

Das ist zum Vergleich gerade die umgekehrte Vorgehensweise zu jener, die sich im Falle Tobias Rathjen vollzog (bessere bekannt als der Anschlag von Hanau). Hier war sonderbarerweise allen Medien und Politikern der Altparteien sofort klar, dass es sich um eine rechtsextremistisch motivierte Tat handle, obwohl Rathjens „Manifest“ aus vollkommen wirren Inhalten bestand und ein klares Indiz für eine psychische Krankheit lieferte. Wie sich einer Zeitschrift für forensische Psychiatrie, Psychologie und Kriminologie entnehmen lässt, handelt es von Begebenheiten wie seiner angeblichen Überwachung durch Geheimorganisationen, massenhaften Kindesentführungen und Zeitreisen. Rathjen litt sehr wahrscheinlich unter schizophrenem Wahn. Der Autor Hans-Ludwig Kröber merkt an:

„Das Bundeskriminalamt hat seine Computer durchsucht und keinerlei Hinweise darauf gefunden, dass Rathjen sich für rechtsradikales oder rassistisches Material oder zumindest für politische Parteien interessiert hat.“ […] „Um Katastrophen wie in Hanau zu verhindern, helfen keine neuen Antirassismusbeauftragten, sondern zupackende Hilfe, wenn sich bedroht fühlende Wahnkranke darum ersuchen, und Kontrolle ihres Zugangs zu Waffen. Erforderlich sind Standardregelungen für Polizeidienststellen und Staatsanwaltschaften, wie sie mit solchen Situationen aktiv umgehen. Psychiatrie hilft in solchen Fällen, nicht politpädagogische Belehrung.“

Daher die Frage: Weswegen wird versucht, die öffentliche Meinung dergestalt zu lenken? Warum setzen sich im Falle Hanau bei einer Aktion namens „say their names“, bei der die Namen und Gesichter der Opfer gezeigt wurden, sogar Politiker ein, aber im Falle Würzburg bleibt dies aus?

Ja Merkel persönlich sagte wegen des Hanau-Anschlags kurzfristig Termine ab, sprach den Angehörigen ihr Mitgefühl aus und redet davon, dass vieles darauf hindeute, „dass der Täter aus rechtsextremistischen, rassistischen Motiven gehandelt hat.“ Es wurde in Folge ein Kabinettsausschuss zum Beschluss neuer Maßnahmen gegen Rassismus und Rechtsextremismus eingerichtet. Ein Jahr später erinnert Merkel am Jahrestag an das Geschehen und ist sich noch sicher: „Es war ein Verbrechen aus Hass, aus rassistischem Hass.“ Der Mörder „hasste sie nur wegen ihres Aussehens, der Herkunft ihrer Familien, weil sie Einwanderer oder die Kinder von Einwanderern waren“. Es führe vor Augen, was Rechtsextremismus anrichten könne. Sie nutze ihren Podcast auch, um die Namen der Opfer zu nennen.

Wie reagierte Merkel hingegen auf Würzburg? Gab es zumindest das ganz oben erwähnte post-katastrophale tiefempfundene Bedauern und das Versprechen, aus der Erfahrung zu lernen, etwa das Einsetzen von Expertenräten?

Nein, Merkel schwieg. Das Erste (!), was Regierungs-Sprecher (oder sollte man sagen -Sprechpuppe?) Seibert zu schreiben hatte, war:

„Sicher ist: Seine entsetzliche Tat richtet sich gegen jede Menschlichkeit und jede Religion.“

Religion? – fragt man sich. Der Anschlag richtete sich doch überhaupt nicht gegen irgendeine Religion. Denkt man dann einen Schritt weiter, versteht man vielleicht, dass dies kodierte Sprache für „das hatte nichts mit dem Islam zu tun“ ist. Was unsere Regierenden zuallererst kümmert, wenn deutsche Bürger von ausländischen Tätern ermordet werden, ist Beschwichtigung, schlimmstenfalls Verschleierung; und gewisse Motive darf es in der öffentlichen Wahrnehmung nicht geben. Dies steht höher auf der Agenda als die verlorenen Menschenleben selbst (wie auch schon das Beispiel Chemnitz zeigte), was mich für meinen Teil tieftraurig macht. Diese unglaubliche Herabwürdigung von Menschen bei ‚falscher‘ Opfer-Täter-Konstellation wird wahrscheinlich noch für mehr Aufstachelung in der Bevölkerung sorgen als es jede Berichterstattung ohne ideologischen Drall je könnte.

Seibert musste dann später auch herhalten, um die Tat als „nicht zu begreifende Brutalität und Bösartigkeit“ einzuordnen und den Angehörigen Anteilnahme auszusprechen, wonach er (anders als bei Hanau) wiederum mahnte, der Arbeit der Ermittler bezüglich des Tatmotivs „nicht vorzugreifen“. Merkel selbst schwieg weiterhin, bis heute. Eine Bluttat, welche ihre Regierung mitzuverantworten hat, ist für Merkel offenbar keine große Sache und kümmert sie nicht einmal randständig. Und für Empörung soll dann der Politiker sorgen, der dies ausspricht? Ernsthaft? Herr Mendel?

Mendel fügt noch folgende Worte Wippels an:

„Leider hat es nicht die Verantwortlichen dieser Politik getroffen.“

Wippel entschuldigte sich später für diese Äußerung, und sie ist als Redebeitrag sicherlich unklug. Es ist allerdings im menschlichen Gerechtigkeitsempfinden tief verwurzelt, sich zu wünschen, dass verursachter Schaden besser auf die Verursacher selbst zurückfällt als auf andere. Nehmen wir ein Gedankenexperiment ähnlich des Trolley-Problems an, in dem man die Möglichkeit hätte, zu entscheiden, ob ein nicht mehr zu verhindernder islamistischer Terroranschlag entweder Angela Merkel oder eine unschuldige Frau trifft, würde ich es selbstverständlich auch für ethisch korrekt halten, Merkel zu wählen. (…ethisch korrekt, Merkel zu wählen… Ich hätte nicht gedacht, diese Worte je einmal im selben Satz zu verwenden.)

Auch der Rest von Mendels Dämonisierungsversuchen mit angeblich „problematischen Äußerungen“ lässt anscheinend nur betont neulinke Rezipienten zusammenzucken:

„Marc Jongen, Kuratoriumsmitglied der Erasmus-Stiftung und AfD-Parteiphilosoph, behauptete im Bundestag, die deutsche Gedächtnispolitik sei darauf ausgerichtet, »den Daseinswillen der Deutschen als Volk und Nation zu brechen«.“

Diese These halte ich für diskutabel, wenn nicht sogar für schwer zu bestreiten. Man braucht doch bloß einmal den Lackmustest machen und vor Anderen mit Aussagen wie „Ich bin stolz Deutscher zu sein“ oder „Die Deutschen sind eine großartige Nation“ auftreten. Was wird man da unter Deutschen in 9 von 10 Fällen wohl zu hören bekommen? Etwas wie: „ja, aber was ist mit den N…“? Genau. Oder was lösen diese Worte der Bekenntnis zum Deutschen Volk in Dir selbst aus, lieber Leser? Waren Angeschnittenes auch Deine ersten Gedanke/Gefühle dazu? Viele deutsche Bürger können nichts mit dem „Deutschsein“ und ihrem Volk anfangen oder haben sogar einen negativen Bezug dazu, weil sie eine Erbschuld (welche ich als Konzept schon für Unfug halte) bezüglich der berüchtigten 12 Jahren verinnerlicht haben. Das führt dann dazu, dass wir daran nichts skandalös finden, wenn uns eine deutsch-türkische Integrationsbeauftragte der Bundesregierung sagt, dass es so etwas wie eine spezifisch deutsche Kultur gar nicht gäbe (man stelle sich vor, einer wäre als Kind deutscher Migranten in Russland oder Japan und würde den Russen bzw. Japanern erzählen wollen, es gäbe gar keine russische bzw. japanische Kultur; eine nicht auszudenkende Frivolität). Oder dass einer, der gerne Bundeskanzler geworden wäre, Patriotismus, Vaterlandsliebe „stets zum Kotzen“ fand, mit Deutschland nichts anzufangen wusste und es bis heute nicht weiß. Oder dass bei einer parteilichen Wahlsiegesfeier einer Bundeskanzlerin die Anwesenheit eines Fähnchen mit den deutschen Farben Schwarz-Rot-Gold missfällt.

„Kuratoriumsmitglied Angelika Barbe beteiligte sich jüngst an den Coronaprotesten, wo sie die Maskenpflicht mit dem Zwang von Jüdinnen und Juden, in der NS-Diktatur den gelben Judenstern zu tragen, verglich.“

Obgleich dieser Vergleich wohl verfrüht kam und besser zu der repressiven Behandlung Ungeimpfter passt, welche ja nun von Politikern schon als „gefährliche Sozialschädlinge“ bezeichnet werden, und die demletzt in einem Europapark zur Kennzeichnung ein blaues Bändchen tragen mussten, was durch einen Shitstorm auf Facebook mit ebensolchen Vergleichen wieder abgeschafft werden konnte, kommt man doch nicht umhin, zu fragen, warum man sich so sehr über scharfe oder absurde Vergleiche empört, während Peter Frey noch nicht entlassen wurde? Letzterer schmückte nämlich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen seine Forderung einer Neuwahl nach der Wahl eines FDP-Mannes zum Ministerpräsidenten im Thüringer Landtag (durch AfD-Stimmen) mit den Worten: „Endstation Buchenwald“. NS-Vergleiche sind wieder einmal anscheinend nur dann ein Problem, wenn sie von den Falschen (etwa gar regierungskritisch) gebraucht werden, aber durchaus willkommen, wenn man sie zur Unterdrückung des eigenen politischen Gegners instrumentalisiert und demokratische Wahlen rückgängig macht.

Was von Mendels Abarbeitung bleibt, d.h. das Beste, was er gegen die Desiderius-Erasmus-Stiftung hat, ist der Vorwurf der Kontaktschuld zu eventuell wirklich problematischen Leuten (wie Götz Kubitschek). Doch dazu heißt es bloß schwammig, dass „bekannt“ sei, dass „Verbindungen“ bestünden.

„Mit großen Beträgen fördert der Staat derzeit die Demokratiebildung, die Extremismus- und Radikalisierungsprävention. Wenn aus dem gleichen Haushalt, der diese Programme fördert, die AfD-Stiftung mitfinanziert wird, ähnelt das einer Brücke, die auf der einen Seite aufgebaut wird, während man sie an der anderen Seite niederreißt.“

Zu diesem Schluss muss Mendel wohl kommen, wenn er denkt, dass es keinen Extremismus von Linker und Islamistischer Seite gibt, denn zu deren Bekämpfung leistet die AfD derzeit wohl den größten Beitrag im Parlament. Und, oh Wunder, Demokratie heißt nicht immer an einem Strang zu ziehen. Demokratie heißt auch das Aufeinanderprallen von konträren Ansichten zu verschiedenen Themen. Was Mendel da für das Einreißen seiner schönen (See?)Brücke nimmt, gehört in der Tat zum demokratischen Diskurs.

„Zusätzliche Mittel für Veranstaltungen, Stiftungsprofessuren, Forschungsprojekte und Publikationen würden es der Erasmus-Stiftung ermöglichen, ihr Gedankengut noch stärker als bisher an Universitäten und Hochschulen zu verbreiten.“

Die Verbreitung ihm unliebsamen Gedankenguts möchte Mendel daher unterbinden. Wie kann aber die demokratische Auseinandersetzung dann fair vonstattengehen, wenn nicht die Seite gewinnt, welche die besten Gedanken vorbringt, sondern diejenige, welche für die meiste, penetranteste Beschallung sorgt und jene der Gegenseite schwächen kann? Offenbar hat Mendel Angst davor, dass AfD- und Grüne Positionen im universitären Raum gleichermaßen Gehör finden würden und es so mehr zu inhaltlichen Debatten kommen könnte, worin sich die Gedanken und Argumente nur noch durch ihren Gehalt bemessen lassen. Spricht das für Vertrauen in den Gehalt der favorisierten Gedanken? Zu gut, die Aussicht, weiterhin mit aufgedrängtem Gender-Sprech an Unis indoktrinieren zu können? Und nun kommt’s, Mendels Schreckensgespenst ist nämlich er selbst:

„Akademiker – Lehrer, Juristen, Mediziner –, deren Weltanschauung maßgeblich davon geprägt ist, dass nur bestimmte Menschen zur Gesellschaft gehören dürfen, andere dagegen aus ihr entfernt werden müssen.“

Denn Konservative – die gegen Massenmigration, gegen misandrischen Feminismus, gegen großzügige Eingriffe in Grundrechte durch den Staat, gegen öffentlich-rechtliche Dauerbeschallung mit neulinker Identitätspolitik und für deutsches Selbstwertgefühl eintreten – von Akteuren und Wählerschaft der Werteunion bis zur AfD, gehören für Mendel doch offenbar nicht zur Gesellschaft, nicht zu den mündigen Menschen, die es wert wären, dass ihre Ansichten gehört werden, die ein Anrecht hätten wie alle anderen auch eine anerkannte politische Heimat mit der Chance auf öffentliche Begabtenförderungen zu finden. Nein, diese Menschen will Mendel so gut es geht von gesellschaftlicher Partizipation entfernen. „Mitschuldig“ – wie es so schön mit dem erhobenen Zeigefinger moralischen Drucks in Mendels letzten Satz klingt – macht sich nicht etwa derjenige, der die Unterdrückung ablehnt, sondern derjenige, der sich zu Gunsten der eigenen Agenda mehr Deutungshoheit über das demokratische Spektrum herausnimmt als ihm zusteht, dadurch Menschen mit demokratisch legitimen Positionen ins gesellschaftliche Abseits befördert und so womöglich tatsächlich eine Radikalisierung befeuert.

Ich bin eigentlich müde auf Doppelstandards hinzuweisen, aber als Appendix doch noch einmal: Wo war denn Ihr Engagement gegen die Rosa-Luxemburg-Stiftung all die Zeit, Herr Mendel? Sie wissen schon, die parteinahe Stiftung der Linken – der Nachfolgepartei der SED, auf deren Strategiekonferenz davon erzählt wird, dass man die Reichen erschießen oder für nützliche Arbeit einsetzen wolle. Wo war Ihre Theatralik von wegen „Oh, es werden Menschen sterben“ hinsichtlich dieser Stiftung, deren nahe Partei Akteure beheimatet, die es als Aufgabe einer parlamentarischen Linken sehen, ihren gewalttätigen Antifa-Bewegungen Gelder zuzuspielen? Würden Sie da eine ähnliche Schmutzkampagne fahren, stünde es zumindest besser um Ihre Glaubwürdigkeit. Aber zu denen haben Sie ja beste Verbindungen.

2 Gedanken zu “(Anti)Demokratische Äußerungen eines Professors. Zur Desiderius-Erasmus-Stiftung.

  1. Nicht vergessen:Das Geld an die Stiftungen kommt aus einem Topf,es wird also nicht mehr ausgegeben wie vorher und die AFD ist immer noch für eine Abschaffung der Stiftungsgelder!Der Staat könnte es sich also ganz leicht machen wenn er der AFD nichts geben will,aber da ist die Gier wohl grösser…

    Zu Hanau sei auch noch zu sagen das die Presse bisher keinen einzigen Menschen auftreiben konnte der den Täter als rassistisch bezeichnete,im Gegenteil!Er war Teil einer Multikulticlique und hörte Gangsterrap.Sein Vater trat auf der Liste der Grünen an und scheint ein komisch zu sein,er will auch erst aufgewacht sein als die Polizei kam-von Schüssen im Haus wollte er nichts gehört haben…muss aber einen tiefen Schlaf haben…

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